20.9. - Betreff: WAZ-Artikel "Arbeitsbehörde produziert Arbeitslose"

Sehr geehrter Herr Lipka! Sehr geehrter Herr Sußmann! Mit großem Unverständnis haben wir Montagsdemonstranten in der WAZ gelesen, dass zum Jahresende 2008 30 befristete Stellen von Mitarbeitern des IAG auslaufen und nicht verlängert werden sollen.

Wir finden, dafür kann es in unserer Stadt mit einer immens hohen Zahl von arbeitssuchenden Menschen mit Beratungsbedarf doch kein wirklich stichhaltiges Argument geben, das man ohne Veto stehen lassen könnte!

Auf der 208. Montagsdemonstranten in Gelsenkirchen haben sich viele Bürger in einer Diskussion am offenen Mikrofon dazu geäußert und sich gefragt: Warum werden die Mitarbeiter, so man ihren befristeten Vertrag nicht erneut verlängern kann, denn nicht unbefristet eingestellt?

Im Sinne der Kontinuität der Beratung, die Sie ja selbst wünschen, wäre die weitere Beschäftigung der eingearbeiteten Mitarbeiter doch nur sinnvoll und richtig.

Gleichzeitig melden wir unsere erneuten Zweifel an, wenn "sinkende Arbeitslosenzahlen" publiziert werden. Diese haben wir schon mehrfach unter die Lupe genommen und festgestellt: Was in den Statistiken auftaucht, entspricht noch lange nicht der Wirklichkeit. Ein Betroffener wehrte sich entschieden, dass er als 1,50 Euro-Jobber jetzt statistisch nicht als arbeitslos gilt. "Ja habe ich denn kein Recht und keinen Wunsch nach einem vollwertigen Arbeitsplatz mehr, von dem ich eigenständig leben kann?" Angeregt wurde von den Montagdemonstranten erneut ein Armutsbericht, der die Verhältnisse der hier lebenden Menschen klar benennt. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung ist doch eher von einem steigenden denn sinkenden Beratungsbedarf auszugehen. Der drohende Arbeitsplatzabbau und der Kampf um Arbeitsplätze- und Ausbildungsplätze - bei BP, Küppersbusch, Opel,  Zeche Lippe - ist auf unseren Kundgebungen immer wieder ein wichtiges Thema.

Wir fänden es berechtigt und richtig, wenn aus Stadtverwaltung und vom IAG Protest gegen die bestehenden Gesetze und politischen Entscheidungen Protest laut würde - gegen schlechte Rahmenbedingungen, gegen personelle Engpässe, gegen Abstriche an der wichtigen und notwendigen hochqualitativen Beratung der  Betroffenen in Gelsenkirchen. Wenn Anfang Oktober ein Gespräch mit dem zuständigen Bundesarbeitsministerium anberaumt ist, so wäre das im Sinne aller  Menschen, die auf Hilfe und Beratung angewiesen sind, eine gute Gelegenheit.

Wir hoffen, dass ihre Prognose "Wir sind vorsichtig optimistisch" sich durch Ihren Einsatz bewahrheitet und die 30 Mitarbeiter weiter bei Ihnen beschäftigt bleiben. Wir bleiben - mit Zuversicht in unseren Kampf - weiter aktiv und auf der Straße für unsere Forderung "Weg mit Hartz IV - das Volk sind wir!" und mobilisieren zur  bundesweiten Demonstration am 8. November in Berlin.

Über eine Antwort würden sich die Teilnehmer/innen der Gelsenkirchener Bürgerbewegung Montagsdemonstration sehr freuen,

in Ihrem Auftrag verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Monika Gärtner-Engel und Martina Reichmann

Zur Kenntnis

Personalrat der Stadt Gelsenkirchen, Herrn Micheel

WAZ Gelsenkirchen, Herrn Christoph

 

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