20.9.08 - Montagsdemo ist bekannte Adresse für Hilfesuchende

Pressemitteilung der Montagsdemo

Die rund 120 Teilnehmer der 208. Montagsdemo  bekamen was zu hören: Thomas Kistermann las seinen Brief an den Skandalprofessor Thießen vor. "Das war für mich ein Schlag ins Gesicht! Sie sagen, alle Hartz IV-Empfänger sollen nur Leitungswasser trinken! Trinken Sie nur Leitungswasser? Ich glaube nicht! ... Für einen Euro im Monat bekommt man nicht mal zwei Zeitungen. Aber Sie wollen ja auch nicht , dass alle Hartz IV-Empfänger sich politisch informieren können. Denn die sind ja für Sie bestimmt der letzte Abschaum und sollen sich aus der Politik raushalten. Ich kann nur hoffen, dass alle Hartz-IV-Empfänger Sie anzeigen wegen Beleidigung, Verhöhnung, Volksverhetzung ... Den Professortitel müssten Sie eigentlich zurückgeben." 

Eine ältere Dame, die auf Grundsicherung angewiesen ist, wandte sich an die Bürgerbewegung. "Ich möchte umziehen, habe ein 40 m² große und billigere Wohnung gefunden. Im Haus, wo ich jetzt wohne, finde ich keine Ruhe, gibt es Alkoholprobleme. Und was sagt mein Sachbearbeiter? Der schmettert meinen Umzug rundweg ohne Begründung ab!" berichtete sie empört. In einem ähnlichen Fall, wo die Umzugskosten damals angeblich zu hoch waren, hatte die Montagsdemo eine junge Frau unterstützt - mit Erfolg! Sie wohnt längst in ihrer neuen Wohnung. Nach kurzer Beratung am offenen Mikrofon wurde beschlossen, dass einige Unterstützer die Dame auf's Amt begleiten werden. Dort ist die Montagsdemo ja inzwischen schon gut bekannt! 

"Einen sofortigen Hungerzuschlag  für alle Hartz-IV-Betroffenen - einen  Lohnnachschlag für alle Beschäftigten!" forderte ein Redner der MLPD am offenen Mikrofon angesichts der Tatsache, dass alle erkämpften Lohnerhöhungen von Teuerung und Inflation wieder aufgefressen werden. 

Eine Lehrerin berichtete über die Auseinandersetzung an ihrer Schule: "Von den englischen Gewerkschaftern hören wir, was auch hier bald wieder vielen blüht, die Entscheidung: essen oder heizen?" 

Mit dabei war dieses Mal - lange nicht dabei und gern gesehen, Ralf Hermann, Sprecher der Linken. Er betonte, dass ihm die Zusammenarbeit und offene Auseinandersetzung wichtig sind, um gemeinsam z.B. gegen Hartz IV einzustehen. "Wir brauchen einen Armutsbericht, und gegen die offiziellen Arbeitslosenstatistiken müssen wir eine Gegenstatistik setzen. Rund 43.000 Menschen sind hier von Hartz IV und Sozialhilfe betroffen, ganz zu schweigen von den Aufstockern," forderte er.

Auch im Kampf gegen den Hans-Sachs-Haus-Sumpf für eine Klage gegen die Verantwortlichen gilt es, die Kräfte zu bündeln. 

Am 22.9.2008 ab 18.00 Uhr beginnt die Kundgebung der 209. Montagsdemonstration in Gelsenkirchen auf dem Platz der Montagsdemo, ehemals Preuteplatz. Im Anschluss demonstrieren wir durch die Straßen der Innenstadt.

Mit freundlichen Grüßen

Martina Reichmann

 

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