Keine Abschiebung der Familie Rrustja mit ihrer schwerstbehinderten Tochter!

Die 620. Gelsenkirchener Montagsdemonstration hat folgende Erklärung verabschiedet:

Die menschenunwürdige Abschiebepraxis in angeblich sichere Herkunftsländer ruft zu Recht breite Empörung hervor.

Davon betroffen ist auch die Familie Rrustja. Sie wandte sich mit einer ganzen Reihe von Freundinnen und Freunden an die Montagsdemonstration Gelsenkirchen mit der Bitte um Hilfe:
Sie ist vor knapp drei Jahren wegen ihrer schwerstbehinderten Tochter aus Albanien nach Gelsenkirchen geflohen. Erisa ist jetzt 19 Jahre alt. Sie ist seit ihrer Geburt mehrfach behindert. Unter anderem hat sie regelmäßig schwerste epileptische Anfälle, die auch durch medikamentöse Einstellung nicht beherrschbar sind. Immer wieder muss sie notfallmäßig ins Krankenhaus. In ihrer Familie wird sie liebevoll gepflegt und versorgt. Doch aufgrund völlig unzureichender medizinischer Behandlung war sie in Albanien fast zu Tode ausgehungert. So entschlossen sich die Eltern zur Flucht, um das Leben ihrer Tochter zu retten. Sie kamen nach Deutschland und baten um Asyl – doch es wurde abgelehnt.

Dass ein chronisch Kranker im Heimatland eine völlig unzureichende medizinische Versorgung erhält, wird ausdrücklich vom Gesetzgeber nicht als Asylgrund gesehen. Lediglich die unmittelbare Gefahr einer lebensbedrohlichen Verschlimmerung einer Erkrankung wird als Abschiebehindernis angesehen. Doch der medizinische Gutachter hatte zynisch festgestellt: Das Mädchen sei ja bisher nicht gestorben – also sei es wohl nicht so schlimm um die Versorgung in Albanien bestellt. Nun droht Erisa und ihrer Familie die Ausweisung! Auch eine „Duldung" wurde abgelehnt.

Dass die Familie in Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes angekommen ist, spielt dabei keine Rolle: Alle Geschwister von Erisa gehen erfolgreich zur Schule, beherrschen die deutsche Sprache fließend, haben Berufsziele und sind hochmotiviert, sie zu erreichen. Erisa selbst kann inzwischen sogar eine Sonderschule besuchen und ist sichtlich aufgeblüht.

Die rund 120 Teilnehmer/Innen der 620. Gelsenkirchener Montagsdemonstration erklären  einstimmig:
Wir halten diesen Vorgang für einen Skandal! Er steht im Zusammenhang mit der weiteren Einschränkung des Asylrechts durch die Bundesregierung und verschärfte Abschiebung der Landesregierung NRW.
Wir sind nicht bereit, eine Abschiebung der Familie Rrustja zu dulden und werden aktiv!
Wir fordern alle Bürgerinnen und Bürger auf, den gemeinsamen Protest zu stärken!

Wir unterstützen Erisas Freundinnen und Freunde, die sich jetzt zusammen mit der Familie an die Härtefallkommission NRW wenden wollen: „Setzen Sie ein Zeichen der Menschlichkeit und geben Sie der Familie in Gelsenkirchen eine Zukunft!"

 

Mit der Bitte um Veröffentlichung

Thomas Kistermann

Martina Reichmann

Artikelaktionen