Interviews bei Küppersbusch

Am 24.12. besuchte unter anderem die ROTE FAHNE die Mahnwache bei Küppersbusch und befragte die Anwesenden zur Zukunft des Kampfes um den Erhalt der Arbeitsplätze. Hier Auszüge davon (Namen sind der Redaktion bekannt):

Vertrauensmann bei Kennametal Widia (Essen): Ich bin hier, um die Solidarität auszudrücken. Befürchte aber, dass es geht, wie bei Nokia, da haben wir doch auch alle gekämpft bis zum geht nicht mehr und dann wurde doch dicht gemacht.

ROTE Fahne:  War das nicht vielmehr, weil eben die Solidarität nicht ausreichte, weil die Kollegen selbst nicht gestreikt haben?

Vertrauensmann: Ein Streik hätte auch nichts gebracht, da hätte sich die Geschäftsführung doch nur die Hände gerieben.

Ein Angestellter aus einem Automobilzulieferbetrieb: Das sehe ich anders. Ein Streik trifft immer an der empfindlichsten Stelle, das ist der Profit. Gerade wo es ihnen darum ging, die Verlagerung nach Rumänien reibungslos über die Bühne zu bringen.

Ein Produktionsarbeiter (fast 40Jahre bei Küppersbusch): Ich bin hier, weil man was tun muss. Diese Mahnwache ist besser als gar nichts, auch wenn ich eigentlich nicht so viel davon halte.

ROTE Fahne:  Warum nicht?

Produktionsarbeiter: Das ist nur so ein drum herum, symbolisch, wir müssten alle raus gehen, das hätte Wirkung. Aber teilweise meinen die Kollegen, die Angestellten hätten sich auch nie die Füße nass gemacht, warum sollte man jetzt für sie raus gehen.

ROTE Fahne: Das ist aber kurzsichtig, denn es trifft alle, wenn wir uns spalten lassen sitzt die Betriebsleitung am längeren Hebel. Und wenn sie bisher nicht gekämpft haben, so müssen es die Angestellten eben lernen.

Produktionsarbeiter: Ja, ganz genau, das sage ich meinen Kollegen auch immer.

Betriebsrat bei Hausgeräte: Die Firmenleitung soll Druck bekommen, damit sie wieder verhandelt.

ROTE Fahne:  Was soll dabei rauskommen?

Betriebsrat: Ein Kompromiss, sie garantieren keine betriebsbedingten Kündigungen über eine bestimmte Zeit, dafür würden wir auch entgegen kommen.

ROTE Fahne: Die meisten Kolleginnen und Kollegen meinen aber, dass Verzicht nichts bringt. Es ist schon viel verzichtet worden und in der Zeit von 3500 auf 350 abgebaut worden.

Zwei  Angestellte: Wir sind hier, weil es um die Arbeitsplätze geht. Wenn wir wüssten, dass damit Arbeitsplätze erhalten würden, dann würden wir gerne verzichten. Aber ob das so ist?

ROTE Fahne: Ist das nicht der Versuch der Erpressung?

Angestellter: Das stimmt. Dann sind die Arbeitsplätze weg und am Ende hast du am Arbeitsamt noch weniger als vorher.

ROTE Fahne: Wärt ihr bereit zu streiken?

Angestellte: Ja, nur wie kommt man dahin?  

ROTE Fahne: Manche Arbeiter sagen, die Angestellten haben früher auch nicht gekämpft.

Angestellte: Ist auch was dran. Manche haben Angst. Manche fühlen sich immer noch sicher, warum verstehe ich eigentlich nicht. Einige waren auch früher dabei, vor denen ziehe ich den Hut. Aber jetzt sind es schon mehr, die verstehen, dass es auf sie selbst ankommt, dass wir zusammenhalten müssen.

Ein Rentner und ehemaliger Betriebsrat, der  45 Jahre bei Küppersbusch gearbeitet hat:  Ich muss hier sein, denn es geht ja um die Arbeitsplätze meiner Kollegen. Wenn du mich fragst, wie es weiter gehen soll, so sage ich klipp und klar, dass der einzige Weg ist, mit aller Konsequenz zu kämpfen

ROTE Fahne: Was verstehst du darunter?

Na ist doch klar – Streiken! Das ist der einzige Weg, man kann verlieren wenn man kämpft, aber wenn man nicht kämpft, hat man schon verloren. Da muss gar nicht die Gewerkschaft aufrufen, aber unterstützen schon.

Die Frau eines Küppersbuschers: Die meisten hier denken, dass es nicht ausreicht, Mahnwachen zu machen, aber wie man einen Kampf organisiert ist nicht klar. Deshalb finde ich es auch gut, dass eine Delegation ein Video vom Opelstreik 2004 geschenkt hat, das man sich ausleihen kann. Wir müssen Erfahrungen austauschen.

Der IG Metall Ortssekretär: Ich denke darüber nach, wie wir den Druck verstärken können. Die Verhandlungen gehen weiter, das Ziel ist, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Wir haben hier eine gute Beteiligung von den Betroffenen. Aber eigentlich sind alle Betroffen, nur Scheibchenweise. Die Solidarität muss noch größer werden.

Ein weiterer Rentner: Eins muss ich der MLPD hoch anrechnen, ihr habt uns immer unterstützt, wenn wir gestreikt haben.

Bilderserie:

Küpper 03 Hunderte brachten auch am 24. Dezember ihre Solidarität zum Ausdruck!
Lebhafte Diskussionen unter den Anwesenden, als die ROTE FAHNE nachfragte! Küpper 05
Küpper 06 Die Stadtverordneten von AUF Gelsenkirchen - Monika Gärtner-Engel und Gerd Labatzki (er ist selbst Betriebsrat bei Küppersbusch) - hier im Gespräch mit den Betroffenen.
Auch "Ehemalige" waren vor Ort ... Küpper 04
Küpper 01 Der IG Metall Ortssekretär ließ es sich auch nicht nehmen der ROTEN FAHNE Rede und Antwort zu stehen ...

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