Begeisternde Jubiläumsveranstaltung

„25 Jahre Parteiaufbau in der Bergarbeiterstadt Gelsenkirchen“

Ca. 120 Teilnehmer besuchten die Jubiläumsveranstaltung des Kreisverbandes Gelsenkirchen zu „25 Jahre MLPD“. Dreizehn Genossinnen und Genossen berichteten, wie in Gelsenkirchen die MLPD entstand und auf immer mehr Feldern aktiv wurde. Darüber wie sich die MLPD unbestechlich, unbeirrbar und hartnäckig in einer systematischen Kleinarbeit mit dem Kampf und den Lebensinteressen der werktätigen Menschen in Gelsenkirchen verband und zu ihrem zuverlässigen Partner wurde und bleibt. So sprachen Genossen, die 1976 und 1977 nach Gelsenkirchen zogen, um sich hier  mit den Arbeitern, vor allem Bergarbeitern zu verbinden und sie für den Aufbau einer Arbeiterpartei neuen Typs zu gewinnen. Sie halfen den ersten Putzfrauenstreik in Gelsenkirchen, beim Schalker Verein zu organisieren und lernten dabei Helga Janzik kennen, die mutig diesen Streik organisierte. Sie wurde Mitglied im KABD, der Vorläuferorganisation der MLPD.

Stefan Engel, selbst „Gelsenkirchener der ersten Stunde“, berichtete anschaulich, wie sie am 1.Mai 1978 die KABD Ortsgruppe gründeten, deren Vorsitzende Helga Janzik wurde. Sie brachte den jungen Genossen bei, wie die Arbeiter im Ruhrgebiet denken, fühlen und handeln. Es war besonders diese Konzentration auf die Arbeiterbewegung, die den Parteiaufbau der MLPD als Partei neuen Typs kennzeichnete und ihren proletarischen Charakter garantierte. Schritt für Schritt lernten Arbeiter, selbst Veranstaltungen durchzuführen oder Artikel zu schreiben.

Es berichteten Genossinnen darüber, wie nach der Parteigründung 1982 die Arbeit der MLPD auf die Wohngebiete und die Arbeit unter den breiten Massen ausgedehnt wurde, ohne die Konzentration auf die Arbeiterbewegung aufzugeben. Seit 1983 erscheint in Gelsenkirchen die Stadtzeitung der MLPD, der VOR Ort.

Die Partei nahm eine immer vielseitigere Arbeit in den Betrieben und Gewerkschaften auf und unterstützte den Kampf der Stahlarbeiter in Rheinhausen, der zum Symbol des Übergangs in die Arbeiteroffensive in den 80er Jahren wurde. In Verbindung mit dem Kommunalwahlkampf 1984 und nachfolgenden Wahlkämpfen wurden zahlreiche Wohngebietsgruppen gegründet, die sich in einer systematischen Kleinarbeit mit der Bevölkerung in Ückendorf, Rotthausen, Bulmke, Horst und Hassel verbanden. 

Eindrücklich berichteten Genossen, wie sie als junge Mitglieder vor großen Anforderungen standen und sie gemeistert haben: „Wir mussten vor allem lernen bürokratische Führungsmethoden zu vermeiden. Wir hatten z.B. neue Parteigruppen, wo der Gruppenleiter gerade ein halbes Jahr Mitglied war und sechs andere neue Mitglieder anleiten sollte. Da brauchte man vor allem Möglichkeiten wie diese viele neuen Mitglieder ausgebildet werden und Führungsmethoden, die geeignet waren die Initiative dieser Mitglieder zu entfalten.“ So wurde die Idee geboren, die Einrichtung eines Bildungszentrums zu fördern, das eng mit der Arbeiterbewegung verbunden ist. In selbstlosen Aufbaueinsätzen, bauten Genossen, Kollegen, Freunde der Arbeiterbildung, das Lehrlingsheim in der Koststrasse zum Arbeiterbildungszentrum aus.

Immer mehr Felder der Arbeit wurden systematisch angepackt, wobei die Jugendarbeit immer eine besonders wichtige Rolle spielte. Die MLPD ergriff die Initiative um die Tradition der Pfingstjugendtreffen wieder ins Leben  zu rufen. In verschiedenen Städten gab es Vorbereitungsgruppen, in denen mit Jugendlichen für Mannschaftsspiele trainiert wurde, oder andere Beiträge vorbereitet wurden. 1986 fand in Gelsenkirchen das erste internationale Pfingstjugendtreffen statt. Damals wie heute in harten Kämpfen gegen die Stadtverwaltung, die drei Tage zuvor die Verträge mit den Turnhallen kündigte, in denen Jugendliche aus ganz Deutschland übernachten wollten. So kam es zur ersten „Flüsterdemonstration“, die Gelsenkirchen gesehen hat. Des nachts zogen die Teilnehmer vom Wildenbruchplatz Richtung Ückendorf mit Fackeln und Flüsterparolen um ihren Protest vorzubringen und die Bevölkerung zur Solidarität aufzurufen.

Die Gründung des ersten Kreisverbandes der MLPD1990 ermöglichte schließlich die weitere Ausweitung der Arbeit und ihre allseitige Führung, in der ein Rädchen ins andere greift. Welch ungeheure Fülle an Erfahrungen hier verarbeitet wurde, kann ein Artikel gar nicht beschreiben: die Aufnahme einer Frauenarbeit der MLPD, die in der Förderung einer überparteilichen Frauenorganisation mündete, die Förderung der Selbstorganisation der Bergarbeiter im Kampf um ihre Arbeitsplätze und die Führung des großen Bergarbeiterstreiks 1997, der Flachglasstreik, der bundesweit ein Signal für die Arbeiteroffensive setzte, die Aufnahme einer kommunalpolitischen Arbeit, die Förderung des selbstverwalteten Jugendzentrums Ché in Gelsenkirchen Horst und, und, und...

Es sprachen Genossen die erst kurz Mitglied sind und die MLPD z.B. in der Montagsdemonstrationsbewegung kennen gelernt haben.  „Alte Hasen“ und „junge Spunte“ des Parteiaufbaus ließen in Wortbeiträgen, Liedern und einer Bildershow ein lebendiges Bild einer Partei entstehen, die einzig den Interessen der Arbeiter und Werktätigen verpflichtet ist und die vor allem eines sehr gut kann, nämlich die ganze Initiative, Schöpferkraft, die vielseitigen Fähigkeiten der werktätigen Menschen zur Entfaltung zu bringen für den Kampf um eine Zukunft ohne Ausbeutung und Unterdrückung – für den echten Sozialismus! Nicht weil die MLPD ein „Schreckgespinst längst überholter Zeiten“ ist, wie es der moderne Antikommunismus suggeriert, sondern weil die MLPD eine Partei ist, die ein tiefes Vertrauen hat in den Willen der unterdrückten und ausgebeteten Menschen, sich selbst zu befreien. Den Schlusspunkt setzte eine ältere Kollegin, die die MLPD schon lange kannte und sich jetzt organisierte: „Ich fordere alle auf , die hier sind, nicht so lange zu warten, keine 20 Jahre, denn auch im Alter kann man noch vieles erreichen!“


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