Aufgewühlte Stimmung unter den Kumpels

Uns erreichte direkt nach der Betriebsversammlung auf der Zeche Lippe folgende Korrespondenz:

Am Donnerstag, 3.4., wurde den Kumpels auf einer Belegschaftsversammlung offiziell verkündet, dass die Zeche Lippe vorzeitig zum 31.12. dieses Jahres geschlossen werden soll. Das bedeutet die Vernichtung von 1700 Arbeitsplätzen auf der Zeche und noch etwa dreimal soviel die damit verbunden sind!

Klar, dass die Bergarbeiterbewegung „Kumpel für AUF“ und die MLPD vor Ort dagegen protestiert haben. „Kumpel für AUF“ fand Beachtung u.a. mit dem Transparent „Für eine lebenswerte Zukunft der Bergleute und ihrer Familien“ und lud zum nächsten Treffen der Stadtgruppe ein. Von der MLPD wurde ein Flugblatt verteilt „Konzernweiter Kampf gegen Stillegungsszenario der RAG!“

Die Geschäftsleitung war bemüht, die Kumpels von uns fernzuhalten, und ließ die Busse direkt von der Pförtnerloge bis zur Versammlungshalle auf dem benachbarten Zechengelände fahren. Wir haben aber das Interesse der Kumpels genau getroffen und konnten mit zahlreichen kurz sprechen. Die Stimmung war aufgewühlt, und es zeigte sich, dass die Kampfbereitschaft wächst. Ein deutlicher Teil sagte „ja, klar, man muss was tun“. Sie wurden von „Kumpel für AUF“ darauf angesprochen, mitzumachen und mit anderen Bergleuten zu beraten, wie man kämpfen kann. Darauf trugen sich mehrere in die Liste ein, trotz ständiger Beobachtung - andere sagten „später, wenn die Vorgesetzten weg sind“.

Ein etwas größerer Teil der Kumpels meinte sinngemäß „was willst du jetzt noch machen, das ist doch beschlossen, da geht nichts mehr.“ Darauf antworteten wir, dass die Kumpels stark sind, wenn auf allen Zechen gemeinsam gekämpft wird. Bei Lippe sollen bis Jahresende noch 1,3 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden, ein Streik trifft die RAG empfindlich.

Die Betriebsversammlung wurde im Eiltempo über die Bühne gezogen. Kumpels berichteten uns hinterher, dass der überwiegende Teil der Kumpels in der Kaue war und per Video die Vorstandsrede übertragen bekam, während sich der Vorstand v.a. mit geladenen Gästen abschottete. Aus lauter Feigheit, den Kumpels direkt gegenüberzutreten! Dem Betriebsrat wurde für das „Einvernehmen“ gedankt. Als dann noch behauptet wurde, „Keiner fällt ins Bergfreie“, platzte einem Kumpel der Kragen und er rief dazwischen: „Das ist die Lüge des Jahrhunderts, wie oft haben wir das schon gehört“ – wofür er Zustimmung und Beifall von vielen bekam.

Gut – eine Versammlung können sie so durchziehen. Aber vor und auf den Zechen, in den Wohngebieten, Vereinen, in der Nachbarschaft, auf den Straßen ... – da ist das Terrain, wo der Widerstand beraten und organisiert wird. Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen!


Artikelaktionen