Eine bewegende Diskussion über die Befreiung der Frau

Nach einem kämpferischen Internationalen Frauentag referierte Sabine Leopold über das Buch „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau –eine Streitschrift“ von Stefan Engel und Monika Gärtner-Engel.
Eine bewegende Diskussion über die Befreiung der Frau

Sabine Leopold am Rednerpult

Sie begann ihre Rede mit der Darstellung einer Aufbruchstimmung, nach der viele Frauen immer mehr an der ganzen Bandbreite der Zukunftsinteressen aktiv werden. Das gewachsene Selbstbewusstsein gerade der jungen Frauen stellt auch eine durch die Zeitschrift „Brigitte“ in Auftrag gegebene Studie fest. „Die jungen Frauen werden die Gesellschaft wach rütteln. Sie wollen eine ganze Menge. Einen Beruf und eigenes Geld, einen Mann, Kinder, Freunde und Verantwortung in der Gesellschaft….. Die Zeit des Entweder-Oder ist vorbei. Jetzt zählt das Und…“

Jedoch: „Seit Jahren werden gesellschaftliche Errungenschaften im Familien-, Kinder und Jugendbereich abgebaut, die die Familien entlasten könnten. In Gelsenkirchen werden nur 16% der Kinder unter 6 Jahren ganztags betreut. Für nicht einmal 3% der unter 3-jährigen Kinder gibt es einen Krippenplatz. Eine Ganztagsbetreuung gibt es nicht mal für jedes 5. Kind. Der Staat zieht sich aus diesen gesellschaftlichen Aufgaben weitgehend zurück und wälzt sie zunehmend auf die Familien ab“.

ModeratorenBeispielhaft führte Sabine Leopold anhand der Entwicklung im Bergbau aus, wie den Familien in Gelsenkirchen durch die RAG der Takt bis in den Familienalltag hinein diktiert wird. Ein Kollege aus dem Bergbau schilderte, dass jetzt der gemeinsame Kampf der Kumpel, Frauen und Familien ansteht.

Die MLPD unterstützt den Kampf der Frauen um ihre Rechte und Interessen. In dem Buch wird nachgewiesen, dass die Befreiung der Frau erst im Aufbau des echten Sozialismus möglich wird. Sabine Leopold ging auch auf die grundsätzlichen Fehler ein, die in den ehemals sozialistischen Ländern gemacht wurden: Nach der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau wurde der Kampf um die Denkweise unterschätzt, denn nur so können die Menschen mit den Überresten und der Wirkung der bürgerlichen Moral und Familienordnung fertig werden. Das war auch eine wesentliche materielle Grundlage für die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion.

Im Ausblick des Referats führte sie aus, dass sich die MLPD dafür einsetzt, dass eine breite, kämpferische Frauenbewegung entsteht. 2011 wird eine Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Venezuela stattfinden. Ein weltweiter, demokratischer, von Basisfrauen organisierter Prozess der Zusammenarbeit und Vernetzung ist in Gang gesetzt worden.

BüchertischDie spannende Rede gab einen Vorgeschmack auf das gleichnamige Buch und war eine Herausforderung für die 60 Besucher, sich tiefgehend mit dem Thema zu beschäftigen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung verbanden in der anschließenden lebhaften Diskussion die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Gehörten.

Eine Kollegin von ver.di kritisierte, dass die kämpferische Tarifrunde ohne Streik einen schlechten Abschluss brachte gerade für die neuen Leichtlohngruppen im TVÖD. Eine Kinderpflegerin hat einen Nettolohn von 1300,-€… Warum gibt es keine „Arzthelfer“? wurde gefragt. Wer kann mit diesem geringen „Frauen“-Lohn schon eine Familie ernähren? In vielen Berichten wurde ein Schlaglicht auf das typische Leben der Frauen geworfen- oft haben sie einen oder mehrere Minijob`s, pflegen die Mutter, erledigen den Haushalt, kümmern sich um die Kinder - und das nennen sie oft als Grund, warum sie sich nicht selbstverständlich organisieren. Den anwesenden Frauen wurde deutlich, dass jede und jeder sich dazu auch selbst verändern muss. Dazu braucht man Klarheit und Mut!

Mädchen des Jugendverbandes Rebell griffen die Medien an, „durch Bravo, MTV und dergleichen werden insbesondere Mädchen und jungen Frauen bestimmte Zwänge auferlegt, wie sie sich zu kleiden haben um gesellschaftliche Anerkennung zu erhalten und Männer werden mit dem in den Medien verbreiteten Sexismus konfrontiert um eine Unterdrückung der Frauen und Mädchen bloß nicht zu hinterfragen...“. Diese „Ketten der Moral“ müssen die Frauen und Mädchen in ihren Köpfen besiegen im Kampf um ihre Befreiung.

Eine Kollegin, die mit der Delegation des kämpferischen Frauenrates in Venezuela war, berichtete: „Es war eine Reise in die Zukunft. Dieses Land ist im Aufbruch. Es geht nicht um das ob sondern wie der Sozialismus aufgebaut wird. Wie die jungen Frauen da vorne dran stehen – das hat mich begeistert“.

Ein Teilnehmer meinte: „Mir ist aufgefallen, dass ich am Arbeitsplatz mit Frauen viel über die konkreten Ungerechtigkeiten diskutiere, ohne die Hintergründe aufzuzeigen, wie z.B. über die bürgerliche Familienordnung -     das muss ich ändern.“

Eine Genossin mobilisierte zur „Streitschrift“-Studiengruppe, die Mitte Mai beginnt. Diese Veranstaltung im Kreis Gelsenkirchen war ein guter Impuls, sich für die Kleinarbeit in allen Tätigkeitsfeldern viel mehr Klarheit zu verschaffen, um immer mehr Frauen (und Männer) für den Kampf um die Befreiung der Frau im echten Sozialismus zu gewinnen.

Mehr Informationen zur Studiengruppe hier 

 

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