GABS-Pleite – oder: wer profitiert von der Arbeitslosigkeit?

Am 29. 11. errreichte uns eine Zuschrift für den VorOrt, die wir hier gerne vorab veröffentlichen:

Die kirchliche Ausbildungs- und Qualifizierungsgesellschaft GABS steht vor dem Aus. 350 Mitarbeitern in neun Revierstädten droht die Arbeitslosigkeit. Was mit den 2 000 vorwiegend jungen Leuten wird, die zur Zeit dort in Ausbildungsmaßnahmen stecken, ist ungewiss.

Da ist viel die Rede vom „schlechten Wirtschaften“, von „zu viel Personal...“ und Oberbürgermeister Baranowski will am 6.12. eine „Trägerkonferenz“ eingerufen.  Die wahren Ursachen werden vertuscht.

Seit den 1970iger Jahren stiegen Massenarbeitslosigkeit und Lehrstellenmangel stetig an. Um Proteste dagegen abzudämpfen, wurden zahlreiche Maßnahmen, ABM-Stellen, Umschulungen und Qualifizierungsmaßnahmen eingerichtet und staatlich oder kirchlich finanziert,  In diesem Zuge entstand auch 1992 die GABS, die vor allem Jugendliche, die keine Lehrstelle gefunden hatten und Langzeitarbeitslose, mit mehr oder minder sinnvollen Projekten auffing.

Aber mit der Internationalisierung der kapitalistischen Produktion seit etwa zehn Jahren drängen große Monopole zunehmend darauf, ihr überschüssiges Kapital auch im Bildungsbereich profitmaximierend einzusetzen. Und sie haben erkannt, dass sich auch mit Massenarbeitslosigkeit und Lehrstellennot eine Menge Geld verdienen lässt.

Während die Konzerne Leute auf die Straße setzen, immer weniger Lehrstellen anbieten und die Ausgelernten nach der Lehre nicht übernehmen, schröpfen sie die Bundesanstalt für Arbeit für Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen. Die Bundesregierung sorgte mit eigenen „Arbeitsförderungsgesetzen“ für die rechtlichen Grundlagen dieser Form der Umverteilung zugunsten der Monopole.

Ein erbitterter Konkurrenzkampf unter den so genannten „Bildungsträgern“ ist entbrannt um die Preisfrage: wer kann mit wenig, schlecht bezahlten Ausbildern möglichst viele Angebote machen und einholen.

Da konnte die GABS mit einem relativ guten Stamm an fest angestellten Mitarbeitern offenbar nicht mehr mithalten – dass diese auf ihr Weihnachtsgeld und Einmalzahlungen verzichteten, um ihren Arbeitsplatz zu retten, macht die Sache nicht besser.

Gewinner in diesem  Spiel, bei dem Ausbilder wie Auszubildende auf der Strecke bleiben, sind Anbieter, wie die AWO oder RAG-Bildung.

10 000 Menschen absolvieren allein bei der RAG-Bildung in 40 Einrichtungen zur Zeit eine Weiterbildung – finanziert aus Arbeitsamtgeldern. Damit nicht genug.

Besonders die so genannten „Beschäftigungsgesellschaften“, mit denen bei Massenentlassungen die Arbeiterinnen und Arbeiter beruhigt werden sollen, erweisen sich als sprudelnde Profitquellen. So übernahm die RAG-Bildung –(Werbespruch: „Ihre Kompetenzentwicklung – unsere Profession“) im Auftrag der so genannten Transfergesellschaft PEAG die Beschäftigung der von der Benq-Pleite in Kamp-Lintfort Betroffenen. Die Landespolitiker brüsten sich noch damit, dass sie beim europäischen Globalisierungsfonds einen Antrag auf einen Zuschuss von 12,8 Millionen Euro gestellt hätten.

Die Solidarität der MLPD gehört den GABS-Beschäftigten und denjenigen, die dort eine Ausbildung machen. Einmal mehr wird deutlich: am Kampf um jeden Arbeitsplatz führt kein Weg vorbei, mit Zugeständnissen, Lohnverzicht und Anpassung an den Konkurrenzdruck können keine Arbeitsplätze gerettet werden. Mit der flächendeckenden Einführung der 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich kann dagegen die Situation erheblich verbessert werden.

Aber ein Ende der Spirale gibt es in diesem kapitalistischen System nicht, sondern erst dann, wenn in einer sozialistischen Gesellschaft auch Bildung und Ausbildung nicht mehr der Profitmaximierung, sondern dem Wohl der ganzen Gesellschaft dienen.

 

Anna Bartholomé


Artikelaktionen