398. Montagsdemonstration: Solidarität mit den um ihre Arbeitsplätze kämpfenden griechischen Stahlarbeiter

Im Mittelpunkt der 398. Montagsdemonstration stand die Solidarität mit den kämpfenden Stahlarbeitern in Aspropirgos bei Athen.

Jordanis Georgiou, gebürtiger Grieche und von Anfang an bei der Montagsdemonstration dabei, hat ständigen Kontakt zur Streikleitung in Aspropirgos. Die Erstürmung des Betriebs durch Polizei und andere Staatsorgane am Freitag und die Verhaftung von 9 Arbeiter hat keineswegs das von der griechischen Regierung erhoffte Ergebnis gebracht: 15 000 aufgebrachte und um ihre Existenz kämpfende Menschen erreichten die Freilassung aller Arbeiter bereits am Samstag und die Belegschaft sprach sich in geheimer Abstimmung für eine Fortsetzung des Streiks aus.

Die Streikleitung berichtete heute Morgen, dass der Arbeitsminister Gespräche mit dem Stahlwerksbesitzer über die Forderungen der Arbeiter führen will. Gleichzeitig marschierten aber viele Polizisten in LKWs auf und begannen die Arbeiter und ihre Familien zu bedrängen, mit Reizgas und Knüppeln auf die nahegelegene Autobahn zu drücken. Aber die Arbeiter zogen nicht den Kopf ein, weil sie – wie sie sagen - „im Recht sind“, wenn sie um ihre Arbeitsplätze und für eine Zukunft kämpfen. Die heuchlerischen Minister der griechischen Regierung, die doch angeblich mit der Werksleitung sprechen wollten, waren es selbst, die der Polizei den Befehl gaben und die gegen Mittag äußerst brutal gegen die Belegschaft und ihre Familien vor ging. Sie erreichte aber das Gegenteil ihrer Absicht. In etwa hundert Städten Griechenlands und auch im mehreren Städten Europas fanden heute Solidaritätsdemonstrationen statt.

Mehrere Teilnehmer  der Montagsdemonstration berichteten von Solidaritätsaktionen in Deutschland. Sogar in Quito in Ecuador stieß der Bericht über die Kämpfe der griechischen Stahlarbeiter bei der dortigen Konferenz fortschrittlicher und revolutionärer Organisationen aus ganz Lateinamerika auf große Beachtung und zur Solidaritätserklärung.

Stefan Engel, der für die MLPD sprach, ordnete diese Entwicklung in die veränderte Situation in Europa durch die Krisenentwicklung der EU ein:  Erkennbar wird jetzt nicht nur in Griechenland und den südeuropäischen Ländern eine Trendwende, hin zu stärkeren Angriffen auf die Bevölkerung. Auch in Deutschland hat die Regierung angekündigt, dass jetzt ein härterer Kurs gefahren werden soll. Zu tausenden werden Arbeitsplatzvernichtungen angekündigt, auch in 15 Solarindustriebetrieben. 6 große Handelsunternehmen haben Konkurs angekündigt, die Auslastung der Industriebetriebe wird auf ca. 80 Prozent heruntergefahren und der neue Opel-Chef ist ein bekannter Scharfmacher… Aber auch die Kämpfe gegen den Kurs der EU im Interesse des internationalen Finanzkapitals nehmen zu, über Ländergrenzen hinweg. In Spanien gibt es derzeit täglich Massendemonstrationen in über 80 Städten. In dieser Situation ist an jeden die Frage gestellt, auf welche Seite er sich stellt. Immer offensichtlicher wird, dass dieses System nicht funktioniert.

Eine Betriebsrätin von Opel ergänzte: Schon Marx sagte: Die Kapitalisten bekämpfen die Krise, in dem sie die nächste vorbereiten. Die Masse der Opel-Arbeiter lasse sich heute mit der Drohung der Werkschließung in Bochum jedenfalls nicht mehr vom Kampf um ihre berechtigten Forderungen abhalten.

Die 399. Montagsdemonstration am 29.7.2012 wird darauf sicher weiter eingehen.

 

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Berichterstattung

Christoph Wilhelm

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