471. Montagsdemo – es ist nie zu spät zu kämpfen!

Kaltes Wetter, heiße Herzen und Mut zum revierweiten Widerstand: die Meldungen aus den Betrieben in Gelsenkirchen und im Ruhrgebiet war das TOP-Thema auf der 471. Gelsenkirchener Montagsdemo mit rund 100 Teilnehmern. Die Meldungen in den Medien reißen nicht ab. Gerd Labatzki, Vertrauenskörperleiter bei Küppersbusch, und Peter Reichmann, Betriebsrat bei Pilkington, berichteten auf der Montagsdemo über die angekündigten Entlassungen bei der Schalker Eisenhütte – 55 Arbeitsplätze, bei Stauffenberg – 100 Arbeitsplätze, Entlassungen bei Küppersbusch, auch bei Vaillant, TKES und Seppelfricke ist der drohende Arbeitsplatzabbau noch lange nicht vom Tisch, die Insolvenz des integrativen Betriebs Hof Holz sorgte für Schlagzeilen …

höchste Zeit, für die Zukunft der Jugend einzustehen! Gerd Labatzki bekam viel Applaus für sein flammendes Plädoyer: „Ich habe große Kritik und kein Verständnis für die Abwartehaltung, und dass die Gewerkschaftsführung nicht unsere Kampfkraft einsetzt. 2,1 Millionen Metaller sind eine große Kraft, wenn wir zusammen aufstehen. Dafür ist die Zeit reif!“ Viel Kritik gibt es auch an dem „Un-sozialtarifvertrag“ bei Opel in Bochum. Die Kollegen ahnen, dass damit die kampflose Abwicklung des Opel-Werkes als billigste Werksschließung aller Zeiten organisiert werden soll. Der Vertrag ist noch nicht einmal offen gelegt! Die Die Montagsdemo stärkt den Kollegen auf jeden Fall den Rücken. Und bekräftigt: wir lassen uns nicht entmutigen, wir sehen den revierweiten Kampf für unsere Arbeits- und Ausbildungsplätze als nötig an und werden ihn nach Kräften fördern!

Ein besonders schäbiges Spiel ist die Insolvenz in der Brotfabrik Stauffenberg: Mit dem Insolvenzverfahren sollen Kollegen aus dem Betrieb geschmissen werden, ohne Abfindungen. Ist das abgewickelt, taucht auch schon die Geschäftsführung, die Ostendorf-Gruppe, im neuen Gewand wieder auf, um den Betrieb weiterzuführen. Besonders zynisch sind die Worte des bisherigen Geschäftsführer: „Die alte Mannschaft ist wieder an Bord.“ Die Montagsdemonstranten sind empört über diese Machenschaften, sie werden die Wahrheit verbreiten und die Kollegen bei Stauffenberg unterstützen im Kampf um jeden Arbeitsplatz! „Die Zeit ist reif - das haben wir erkannt“, dieses Lied von jungen Unterstützern der Kölner Montagsdemo mit Gitarre und Gesang brachte die Stimmung auf den Punkt.

Die Montagsdemo heißt die Menschen aus Osteuropa herzlich willkommen, die nach Gelsenkirchen kommen, und lädt sie ein, mit uns gemeinsam für bessere Lebensbedingungen aktiv zu werden. Wir treten klar ein gegen jegliche Spaltung und Hetze gegen die Zuwanderer und ihre Familien aus Rumänien und Bulgarien. Anders als zum Beispiel die bayrische CSU-Landesregierung, wie eine Teilnehmerin am offenen Mikrofon berichtete. Sie betreibt eine besonders aggressive Hetzkampagne gegen Zuwanderer aus Osteuropa. Sie verschweigt aber, dass namhafte in Bayern ansässige Unternehmen Facharbeiter in Rumänien und Bulgarien beschäftigen, die deutschsprachig sind, und das für einen Hungerlohn von 300 Euro im Monat.  Welch eine Doppelzüngigkeit!

12.021 Kinder unter 15 Jahren leben in Gelsenkirchen von Hartz IV. Diese dramatische hohe Zahl ist eine einzige Anklage an die gescheiterte Arbeitsmarktpolitik. Wir sind stolz, dass wir inzwischen im 10. Jahr den Protest und Widerstand auf die Straße tragen. Hartz IV ist kein Fehler im System, sondern eine gewollte Schaffung eines Niedriglohnsektors und Spaltung in Arbeitende und Arbeitslose, um das Lohnniveau zu senken. Was sollen Eltern von gerade mal 5 Euro mehr im Monat für ein Kind in Hartz IV kaufen? Das sind gerade mal 17 Cent am Tag! Das ist noch nicht mal ein trockenes Brötchen!

Die Montagsdemo Gelsenkirchen macht mobil für den internationalen Frauentag am 8. März! Das besondere Highlight war dazu die zweite öffentliche Probe des Tanzes „break the chain“, brecht die Ketten, der Bewegung „one billion rising“. Diese Bewegung war 2013  zum ersten Mal am 14.2.2013 in 199 Ländern der Erde aktiv. Frauen und Mädchen aus der ganzen Welt setzten damit ein unübersehbares Zeichen und unterstrichen ihre Forderung nach einem Ende der Gewalt gegen Frauen. „One billion rising – eine Milliarde erhebt sich“, ein Aufstand, Tanz, ein Signal, sich mit der Unabänderlichkeit der Gewalt an Frauen und Mädchen nicht abzufinden und sich dagegen zusammen zu schließen.

Die Bahnhofstraße wurde zur Tanzfläche. Mehr als 20 Tänzerinnen und Tänzer weckten mit dieser Aktion großes Interesse, und einige machten spontan mit. Jetzt wird geübt, denn am Internationalen Frauentag wollen wir den Tanz einstudiert haben und in den Rhythmus von Frauen aus vielen Ländern mit einstimmen. Eine Gewerkschafterin von Verdi hatte die Initiative ergriffen und brachte die Choreografie lebendig rüber - und die Tanzfläche in Schwung! Die Hände gingen hoch „wir sammeln unsere Energie, machen uns stark. Wir haben keine Angst mehr …“ und rund 20 Zeigefinger schnellten nach vorn  „wir gehen jetzt durch dieeese Tür!“. Mit den schnellen Beats wurden aus den Trockenübungen allmählich Tanzschritte, die in der Kälte des Abends für angenehme Durchblutung sorgten. Drehung, Drehung, dann die Beine über Kreuz im Boxerschritt – manches braucht noch weitere Übung, sorgte aber jetzt schon für sehr viel Spaß. Mit klatschenden Händen in einem großen Kreis endete das Training für dieses Mal. „Nächsten Montag geht es weiter, und wenn wir in dem Tempo neue Mittänzer gewinnen, ist der Platz am 8. März sicher voll“, freuen sich die Ideengeberinnen. Die Montagsdemo Gelsenkirchen empfiehlt diese äußerst tolle Methode zur Mobilisierung herzlich weiter! Für alle Interessierten: Die Origanalchoreografie von Debbie Allen ist auf youtube eingestellt.

Am Montag, den 27.1.14 findet ab 17.30 Uhr nächste Gelsenkirchener Montagsdemonstration am Platz der Montagsdemo – ehemals Preuteplatz statt. Alle Interessierten sind dazu herzlich willkommen um 17.30 Uhr, am Platz der Montagsdemo, ehemals Preuteplatz.

 

Mit freundlichen Grüßen

Martina Reichmann

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