28.01.15 - Solidaritätserklärung an die Belegschaft der Großbäckerei Stauffenberg

Die Brotfabrik Stauffenberg in Gelsenkirchen soll abgewickelt werden. Betroffen sind im Betrieb in Gelsenkirchen-Rotthausen über 140 feste Beschäftigte und 20 Zeitarbeiter, am Standort Daun in Rheinland-Pfalz 80 bis 100 Menschen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

gerade mal gut ein Jahr ist es her, da protestierte ein Großteil von euch vor dem Tor in der Wembkenstraße und dann auf der Gelsenkirchener Montagsdemo auf der Bahnhofstraße: Der Geld-Hai Ostendorf und seine Komplizen hatten den soliden Stauffenberg-Betrieb in die Insolvenz geritten. Von den 248 Arbeitsplätzen in Gelsenkirchen wurden 120 vernichtet.

Ostendorf & Co haben eine andere Firma auch um 6 Millionen Euro geprellt, dafür haben sie jetzt eine Gefängnisstrafe kassiert. Eine viel höhere Strafe hätten sie dafür verdient, dass sie 120 Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien in die Ungewissheit der Arbeitslosigkeit geschickt haben!! Aber so etwas ist im Kapitalismus "normal" und nicht strafbar.

Im Dezember wurde erneute Insolvenz für die Betriebe in Gelsenkirchen und Daun angemeldet. Das betrifft zusammen 200 Arbeitsplätze! Ein neuer Investor wurde nicht gefunden. Und so fliegen jetzt die allermeisten auf die Straße!

Dabei war Stauffenberg über Jahrzehnte ein gesunder mittelständischer Betrieb. Mittlerweile wird die Nahrungsmittelherstellung von den großen Lebensmittel-Herstellern und -Händlern und den Banken diktiert. Aldi, Penny, Lidl, Edeka, Netto -  sie alle wollen nur ihren maximalen Profit. Dafür setzen sie die Lieferanten-Firmen unter Druck, spielen sie gegeneinander aus und lassen sie zur Not auch über die Klinge springen. Nach dem Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise im letzten Jahr findet in der gesamten Wirtschaft ein ungeheurer Konzentrationsprozess statt: Zusammenlegung von Betrieben bis hin zur Schließung ganzer Werke wie Opel Bochum. Immer, um die Nase im Konkurrenzkampf vorn zu haben und immer auf Kosten der Belegschaften.

Eigentlich sollten Arbeit und Auskommen ein selbstverständliches Menschenrecht für jeden sein. Dazu braucht es aber eine andere Gesellschaft - den echten Sozialismus. Denn im hier herrschenden Kapitalismus diktieren die Aldis und Co. ihre eignen Rechte. Und die richten sich nur nach ihren Profiten, nicht nach dem Wohl der Bevölkerung. Nicht umsonst gehören die Aldi-Familien zu den Top-Milliardären in Deutschland.

Die Stauffenberg-Belegschaft hat die letzten Jahre ein Wechselbad an Zusagen und Rückziehern von Großkunden erlebt, mit der ständigen Unsicherheit, was als nächstes kommt. Das geht einem ganz klar an die Nerven.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, resigniert nicht nach dem Motto "Ich bin froh, wenn das hier zu Ende ist"! Ihr habt immer gute Arbeit geliefert! Ihr habt aktiv um eure Arbeitsplätze gekämpft - darauf könnt ihr stolz sein! Proteste für den Erhalt aller Arbeitsplätze, der Löhne und sozialen Leistungen (Weihnachtsgeld) sind weiterhin mehr als berechtigt. Gebt nichts verloren. Es ist genau richtig, wenn ihr mit eurer Gewerkschaft NGG den Protest zu Aldi tragt. Jeder Arbeitsplatz wird gebraucht, auch für die Jugend.

Ihr steht nicht allein. Kommt zur Montagsdemo, immer montags um 17.30 Uhr auf der Bahnhofstraße / Preuteplatz. Diese Schweinereien gehören an die Öffentlichkeit!

Wir stellen unser Know-How aus Arbeits-Kämpfen gerne zur Verfügung.

Wir sagen euch zu, die Solidarität in den Stadtteilen und in anderen Betriebe zu organisieren.

 

mit solidarischen Grüßen

Christiane Link

Kreisvorsitzende MLPD Gelsenkirchen/Bottrop/Gladbeck

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