Schauspieler Eberhard Boeck schreibt an Stadtverwaltung Gelsenkirchen

Seit dem politisch motivierten volksfeindlichen Willkürakt "Schließung Kultursaal Horster Mitte" vergeht kein Tag, ohne dass neue Solidaritätserklärungen aus aller Welt eingehen.

"Ich habe von meinen Freunden aus Horst's TheatermaSCHin gehört, dass Sie den Kultursaal in Horster Mitte nicht mehr für öffentliche Veranstaltungen zulassen wollen - wegen bautechnischer Mängel", schreibt Eberhard Boeck aus Stuttgart. "Meine Nachfrage beim zuständigen Verein ergaben, dass diese Mängel nach Expertisen von Fachleuten nicht vorhanden seien.


Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Widersprüche erläutern könnten.

Zu meiner Person: geb.1942 in Augsburg, in den Jahren 1963 bis 1965 habe ich an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum studiert, anschließend Engagements in München (u.a. an den Münchner Kammerspielen) dann in Tübingen 1969, bis 1974 Studium der Germanistik, Politologie, Geschichte, dann Schullehrer in Waiblingen bis zur Pensionierung 2006, während einer vierjährigen Beurlaubung vom Schuldienst Engagement am Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel, während meiner Tätigkeit an der Schule mit halbem Lehrauftrag Schauspiel- Engagements in Köln und verschiedenen Theatern in Stuttgart, seit 2015 an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen a.N.

 

Sie können an verschiedenen Ecken meiner Biografie ablesen, dass ich dem Ruhrgebiet verbunden bin, hinzufügen möchte ich: mit Herzen, und dieses Ruhrgebiet habe ich zu meiner zweiten Heimat erklärt (neben dem idyllischen Bayern!)

2009 wurde ich  von „Kumpel für AUF“ gebeten, mit der Theatertruppe 'Horst's TheatermaSchin' zum 90. Jahrestag der Aufstände im Ruhrgebiet (also dann 2010) Yaak Karsunkes „Ruhrkampfrevue“ zu inszenieren, anzuleiten, wie auch immer. Ich habe den Text von Karsunke wesentlich erweitert mit Texten aus der dreibändigen Forschungsarbeit über die Märzkämpfe 1920 von Erhard Lucas (1974). Ich habe das gerne getan, zumal alle Spieler verschiedene Berufserfahrungen vorwiesen in eben diesem Ruhrgebiet.

Den Kultursaal in Horster Mitte fand ich in besonderer Weise geeignet für eine Raumbühne – die Zuschauer wurden zu beiden Seiten eines durch den Raum führenden Stegs postiert, die Nebenräume und der Vorraum und nicht zuletzt die Umgebung vom Stadtteil Horst förderten eine Atmosphäre, die ich einmal erfahren durfte, und zwar in Gelsenkirchen in der Bergarbeitersiedlung Flöz Dickebank, als ich während meiner Tätigkeit in Castrop-Rauxel am WLT gastierte mit Dirk Novatzkis „Ruhrballade“, in jener Siedlung, die damals gegen diverse Investorenpläne verteidigt worden war.

Warum schreibe ich Ihnen dies alles? Weil ich mit meiner Arbeit 2010  gute Erinnerungen verbinde, weil ich den Kultursaal in der Horster Mitte als einen besonderen Ort empfinde, der sich unterscheidet von sicherlich prominenteren Plätzen der Hochkultur. Für den Stadtteil glaube ich wäre die Schließung ein Verlust. Die Stadt Gelsenkirchen sollte solche Ecken der Stadt-und Wohnkultur schützen! Ich spreche da auch als Bewohner einer Stadt (Stuttgart) die so viel reicher ist, aber ärmlich im Umgang mit ihrer (Bau-, und damit auch Kultur-)Geschichte."

 

Aus RF-news.de - weitere Solidaritätserklärungen und Infos zum Kultursaal finden sich hier

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